Summer-School gegen Corona-Defizite

Am Vormittag gab es Unterricht in den Hauptfächern (hier: Englisch), in Kleingruppen und ganz ohne Leistungsdruck. Foto: Michael May / IKZ

Im Skatepark an der Aucheler Straße wurden unter professioneller Anleitung die ersten „Schritte“ auf dem Rollbrett geübt. Foto: Alexander Barth / IKZ

Bei der Summer School vom 4. bis 11. August konnten sich die Teilnehmer für zwei Nachmittagskurse anmelden – hier präsentiert die Wald-Gruppe ihr kleines Naturexperiment. Die Schule hat für das vom Land NRW geförderte Projekt mit der Stadt zusammengearbeitet. Foto: Alexander Barth / IKZ

83 Schülerinnen und Schüler waren bei der ersten „Extra-Zeit zum Lernen“ im Gymnasium Letmathe dabei.

Wie bewegt man Kinder und Jugendliche in den Sommerferien dazu, in die Schule zu gehen? Gar nicht – normalerweise. Dem Gymnasium Letmathe ist genau das aber gelungen, mit 83 Schülerinnen und Schülern, die eine ganze Woche lang gekommen sind. Freiwillig. Wie das funktioniert, haben wir uns vor Ort angesehen.

Beim Betreten des Foyers fällt der Blick auf einen ungewöhnlichen Wegweiser zu verschiedenen Kursen, darunter „Bike“, „Skate“, „Tanz“, „Löten“, „Wald“ und „Sport“. Unter diesen rot geschriebenen Kurztiteln gibt es zwei Ortsangaben: die erste hinter einer lachenden Sonne, vor der zweiten wurde eine Regenwolke gemalt. Die meisten Kurse finden je nach Witterung draußen oder drinnen statt, nur gelötet wird in jedem Fall in dem dafür vorgesehenen Raum.

Körperliches Training schult auch die Konzentration

Da es gerade noch geregnet hat, folgen wir dem Wegweiser zu einem Raum, in dem Konzentrationsübungen stattfinden sollen. Dort angekommen, empfängt uns lautes Klacken, Schüler duellieren sich mit Unterarmlangen Holzstöcken. Haben wir uns verlaufen? Nein, erklärt Leon Escher vom Hagener Veex-Institut für erfahrungsorientiertes Lehren & Lernen: „Beim Stockkampf werden die Balance und feste Bewegungsabläufe trainiert, das schult Aufmerksamkeit und Konzentration.“

Die Arbeit mit den Schülern funktioniere besser als erwartet: „Wir hatten im Vorfeld ein wenig Sorge, wie groß die Motivation sein würde, es wird aber total gut angenommen.“ Das bestätigen kurz darauf Luisa und Marlene, die nach den Ferien in die 6. Klasse kommen. Da sich die Wolken verzogen haben, kann das Training auf den Schulhof verlagert werden. „Mir gefällt es hier gut, das Tanzen macht auch richtig viel Spaß“, berichtet Luisa von ihren Arbeitsgruppen, zwischen denen die Schüler frei wählen durften. „Ich finde das Lernen auch gar nicht mal so schlimm, wir können unsere Schwächen in den Ferien verbessern.“ Marlene, die vom Skateboarding-Kurs begeistert ist, pflichtet ihrer Schulkameradin bei: „Es macht Spaß, so zu lernen“.

Tatsächlich geht es bei der Summer School, wie die „Extra-Zeit zum Lernen in NRW“ halboffiziell genannt wird, nicht nur um Freizeitangebote. Das erläutern Schulleiter Tobias Hommel, der neue Schulsozialarbeiter Martin Crone und Ronny Badtke von der städtischen Jugendarbeit, ein paar Tage später beim Abschlussgespräch. „Es wird ja viel über die coronabedingten Defizite gesprochen. Die gibt es auch wirklich, das habe ich schon im Jugendtreff deutlich gemerkt“, sagt Martin Crone. Bei der Summer School können die Schüler daran arbeiten, und zwar ohne Druck: „Noten gibt es nicht“, betont der Schulsozialarbeiter.

Spaß haben und Lernen schließen sich nicht aus

Das Gymnasium Letmathe betrete mit dem Projekt Neuland, erklärt Tobias Hommel: „Die Landesregierung hat Mittel bereit gestellt, das Angebot wollten wir nutzen. Es war aber eine Menge Arbeit, wir haben ein Team aus 37 Personen dafür re­krutiert.“ Ältere Schülerinnen und Schüler, Lehramtsstudierende, Vertretungs- und Honorarkräfte sorgen zusammen dafür, dass alles rund läuft. Die Summer School beginnt morgens später als der normale Unterricht: Ab 9.30 Uhr gibt es zunächst Nachhilfeunterricht in den Hauptfächern – in Kleingruppen, damit sich die Lehrkräfte besonders viel Zeit für einzelne Schüler nehmen können.

Danach gibt es ein warmes Mittagessen und schließlich bis 15.30 Uhr die Nachmittagskurse, von denen wir einige bei einem Rundgang besuchen. Auf dem hinteren Schulhof treffen wir die Wald-Gruppe vor ihrem Marsch ins Grüne. Die Schüler sprühen Wasser in Petrischalen mit Erde, in einigen sprießen Sämlinge. Diese halten das Wasser viel besser: Das kleine Experiment veranschaulicht, welch wichtige Rolle der Wald bei Starkregen erfüllt.

In einem Raum im Obergeschoss beginnt mit dem Öffnen der Tür eine Alarmanlage zu heulen – die die Schüler selbst gebaut haben. Die Teilnehmer haben außerdemkleine LED-Lampen zusammengelötet sowie einen „Heißen Draht“: Das Geschicklichkeitsspiel, bei dem eine Öse über einen gewundenen Draht geführt werden muss, ohne ihn zu berühren. Auf dem Skatepark am unteren Ende der Aucheler Straße lernen Jugendliche unter professioneller Anleitung die Grundlagen im Skateboardfahren, manche trauen sich bereits an kleine Tricks heran.

Mit der Nachfrage ist Schulleiter Tobias Hommel sehr zufrieden. „Das Interesse ist in den unteren Klassenstufen deutlich größer“, sagt er zur Altersstruktur. Am Ende der ersten Summer School zeigt er sich überzeugt, dass sich die Arbeit der vielen Beteiligten gelohnt hat. „Wir können in einer Woche natürlich nicht alle Defizite aufholen. Aber wir tun etwas.“

 

Alexander Barth (IKZ, 12.08.2021)