Ein Traum in Königsblau Gymnasium Letmathe verabschiedet Schulleiter Peter Wiedemeier

Eigentlich sind die Schulfarben Hellblau und Orange, doch in der Nacht zum vergangenen Dienstag hatte sich das Gymnasium Letmathe in einen Traum in Königsblau und Weiß verwandelt, mit gleich zwei großen blau-weißen Fahnen dort, wo sonst die Bundes- und Landesflagge gehisst werden. Die Schulgemeinschaft wollte trotz Corona-Maßnahmen Schulleiter Peter Wiedemeier nach elf Jahren im Amt doch möglichst standesgemäß und mit persönlicher Note in den Ruhestand verabschieden. „Bis ich in Rente gehe, wird Schalke Meister sein“, hatte Wiedemeier, einer von wenigen Anhängern der Königsblauen im Kollegium, einst erhofft. Mit der Farbwahl spielte das mehrheitlich dem BVB zugeneigte Kollegium darauf an und kam auch in der Veranstaltung immer wieder auf die „Sonderrolle“ des Chefs zu sprechen. „Ich finde, wenn Schalke einmal Meister werden sollte, muss das schwer gefeiert werden, auch wenn ich nicht mehr da bin. Und von der Fast-Pleite zur Meisterschaft waren es in Dortmund nur sieben Jahre“, bewies der Neu-Pensionär Humor. Da die Corona-Regeln keine offizielle Verabschiedung zuließen, kamen neben dem Kollegium in der Aula nur die Vertreter von Bezirksregierung, der Stadt Iserlohn, der Eltern und SV sowie Familienmitglieder des scheidenden Schulleiters in gebührendem Abstand zusammen.

Aufgewachsen in Ostwestfalen führte der Berufsweg Wiedemeier nach dem Abitur in Bad Pyrmont zum Studium nach Bielefeld, ins Referendariat nach Detmold und Espelkamp, dann an eine kirchliche Schule in Brakel im Kreis Höxter und 1998 ins Sauerland als Schulleiter des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn. Im Frühjahr 2009 erfolgte der Wechsel auf den Posten in Letmathe. Sein Stellvertreter Tobias Hommel würdigte Wiedemeiers Arbeit mit Verweis auf das Verständnis des Fußballtrainers Carlo Ancelotti zu Quiet Leadership, das die Förderung der Selbstständigkeit des Einzelnen ebenso beinhalte wie das Erkennen der Fähigkeiten der Mitglieder des Teams. „Du hast die Mannschaft geformt und agieren lassen und immer den kollegialen und mitmenschlichen Umgang miteinander in den Vordergrund gestellt“, sagte Hommel und der langanhaltende Beifall des Kollegiums zeigte, wie richtig er mit dieser Zusammenfassung des Führungsstils lag.

Peter Leye, der Vorsitzende des Schulausschusses, erinnerte daran, dass die Arbeit Wiedemeiers in die Zeit des Wandels der Schule in ein gebundenes Ganztagsgymnasium fiel. „Sie haben die Gespräche mit Politik und Verwaltung stets respektvoll, aber auch überaus zielorientiert geführt und viel für die Schule erreicht“, blickte Leye zurück. Für den Lehrerrat betonte Michael Arends, dass der Mensch für den Ende Juli aus dem Dienst ausscheidenden Schulleiter immer im Vordergrund stand, ihm Empathie und Menschenfreundlichkeit stets wichtig gewesen sind sowie eine umfassende Unterstützung der Schülervertretung, wo er es für wichtig hielt, und eine intensive Einbindung der Elternschaft. Die SV und die Elternpflegschaft bekräftigten das auch in ihren Abschiedsworten. „Das Gymnasium Letmathe hat die Corona-Krise gut bewältigt. Dafür gebührt Ihnen als Schulleiter, aber auch dem Kollegium unser Dank“, sagte der Vorsitzende der Elternpflegschaft, Volker Clauberg.

Guido Schmidt, der für die Schule zuständige Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg überreichte Wiedemeier seine Entlassungsurkunde. „Konsensorientiert, fürsorglich, zuhörend, so habe ich Peter Wiedemeier in den letzten Jahren in der Zusammenarbeit erlebt“, stellte Schmidt fest und wies in dem Zusammenhang auf eine „Auffälligkeit“ in der Personalakte hin. „Das erklärt sicher auch, dass es in 22 Jahren keine Beschwerde, keine Einträge in der Personalakte gab.“

Wiedemeier fasste sich in seiner letzten Ansprache an die Schulgemeinde kurz, da die Spielzeit der immer wieder mit der Fußballsprache spielenden Veranstaltung längst in der Nachspielzeit der Verlängerung angekommen war und schloss mit der Aufforderung: „Ich wünsche mir, dass Sie sich als Mannschaft weiterhin so stark zeigen, wie sie es in meiner Amtszeit getan haben und das Bewahren, was wir zusammen geschaffen haben und diese Schule ausmacht.“

Für die Zeit des Ruhestands hat Wiedemeier angekündigt, zu reisen und sich dem Kochen zu widmen, da seine Frau noch einige Berufsjahre vor sich hat. Ein mit Geschenken der Fachschaften und des Kollegiums gefüllter, in den Schulfarben und blau-weißer gehaltener Koffer sowie ein Kochbuch, in dem sich natürlich blaue und weiße Seiten abwechseln, nahm Wiedemeier als Erinnerung an seine Zeit „auf dem Berg“ mit. Und ganz am Ende wurde noch ein ganz besonderes Video präsentiert. Laura Holzwarth von der Musikschule Iserlohn hatte mit der Big Band der Schule und dem Kollegium eine Neufassung des Steigerlieds eingespielt.

Da die Corona-Krise auch die Neubesetzung der Schulleiter-Stelle nicht zuließ, ist die Nachfolge Wiedemeiers noch offen. Der stellvertretende Schulleiter Tobias Hommel führt die Schule ins neue Schuljahr.

Neben dem langjährigen Schulleiter verlassen zum Ende des Schuljahres aus privaten Gründen auch Sabrina Freitag (Englisch, Sowi, Latein), Michaela Tolle (Deutsch, Französisch) und Martin Trockel (Chemie, Sport) die Schule. Auch Kathrin Meder wird nicht mehr am Gymnasium unterrichten (Spanisch, Latein). Ersatz ist schon seit Februar da. Nadja Dörr (Englisch, Französisch) und Anna Schmitt (Chemie, Katholische Religion).