Neues aus Indianapolis

Bericht 4 - Kürbis, Kürbis. Kürbis

 

Kürbis-Sirup für den Kaffee oder das Jogurt, Kürbis im Gebäckteilchen, Kürbis, Kürbis, Kürbis. Es gibt in den USA in diesen Tagen einfach kein Vorbeikommen an dem in der Regel orangefarbenen Gemüse. Halloween wirft längst seine Schatten voraus. Große Abteilungen voll mit Kürbis-Deko und Horror-Kostümen in den Verbrauchermärkten, von Tag zu Tag mehr mal liebevoll, mal bizarr dekorierte Häuser, Bastelstunde am letzten Schultag vor den Ferien in den Grund- und Mittelschulen, zumindest die Klärung der Kostüm- und der Partyfrage bei den Schülerinnen und Schülern der High School. Also kann auch die Reisegruppe aus Letmathe dem „Kürbis-Wahn“ gar nicht aus dem Weg gehen, wurde und wird damit immer wieder konfrontiert.

 

Es passte dann irgendwie zur Situation, dass die Farbe des Trampolin-Centers auch Orange war. Dort verbrannten die Schülerinnen und Schüler all jene Kalorien, die hinterher beim Besuch eines Burger-Restaurants wieder neu aufgenommen wurden. Interessant war dort auch die Lehrstunde in Sachen Digitalisierung, denn der Bezahlvorgang konnte auf einem Touch-Screen am Tisch abgewickelt werden. Nach der Zahlung von 200% Trinkgeld war für einen Schüler dann aber doch etwas technische Nachhilfe durch die US-Schüler nötig.

 

Das Wochenende verbrachten alle in den Gastfamilien und machten sich größtenteils auf den Weg zu interessanten Zielen außerhalb von Indianapolis, teilweise sogar in anderen Bundesstaaten. Begleitet wurde das Wochenende von einem Kälteeinbruch und Sturm. Am Lake Michigan sank das Thermometer innerhalb von 24 Stunden von 22 auf 6 Grad. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Zeit, die nun die gesamte Gruppe in Chicago verbringen wird, allerdings bei 12 bis 16 Grad und windigem Herbstwetter, wie es im Oktober eigentlich üblich ist. Die letzten zwei Wochen waren einfach ein Glücksfall für die Reisegruppe aus Letmathe.

 

Beim zweiten Ausflug nach Downtown Indianapolis gab es Montag, auch für die US-Schülerinnen und Schüler der erste Ferientag, einen Besuch im Rhythm Discovery Center, wo alle auf der Welt populären Schlaginstrumente ausgestellt sind und teilweise auch bespielt werde können, und im Skulpturenpark des Indiana Art Museums. Danach blieb noch etwas Zeit für Shopping und das Packen des Koffers für Chicago.

 

 

Bericht 3 - Probealarm im State House 

 Eigentlich sollte die Führung im State House, dem Parlamentsgebäude des US-Bundestaats Indiana in Indianapolis 90 Minuten dauern, doch nach 55 Minuten wurde die Gästeführerin durch lautes Sirenengeheul unterbrochen. Feueralarm. Da alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Gebäude in sehr entspanntem Tempo verließen, passte sich die Letmather Reisegruppe zusammen mit den Gastgebern an und erfuhrt auf dem Parkplatz vor dem Gebäude sehr schnell: „Es ist ein Probealarm. Sie machen es ein Mal im Jahr und ausgerechnet heute seid ihr hier und könnt nun nicht Eure Führung beenden“, meinte die Gästeführerin, die eigentlich noch die Räume des Obersten Gerichtshof zeigen wollte, der ebenfalls einen Flügel des State House nutzt.

 

Warten passte aber nicht in den dicht gedrängten Zeitplan, denn neben einem Spaziergang durch Downtown Indianapolis stand ein Besuch im Eiteljorg Museum auf dem Programm, wo umfassen über die indianischen Ureinwohner informiert wird und Kunstwerke zu sehen sind, die sich mit der Besiedlungsgeschichte und den Landschaften des Mittleren Westens der USA bis hin zu den Rocky Mountains beschäftigen. Besonders beeindruckend das gleichnamige Triptychon von Wilson Hurley aus dem Jahr 1990/91.

 

Indianapolis zählt zu den kleineren Hauptstädten der US-Bundesstaaten. Vom Monument Circle bis zum West River mit dem Denkmal für die Opfer der Anschläge auf das World Trade Center am 11.September 2001 sind es nur etwa 15 Fußminuten. Auch die zentrale Mall Downtown Indiana ist entsprechend überschaubar. Da das Online-Shopping auch in den USA weit verbreitet ist, haben zwei US-Kaufhauskonzerne ihre Mietverträge in der Mall gekündigt und auch sonst ist viel Leerstand zu sehen. Voll wurde es nur zwischen 12.30 und 13.30 Uhr, als etliche Beschäftigte aus den umliegenden Bürohochhäusern in der Mall ihre Mittagspause verbrachten.

 

Da der Indian Summer weiterhin nicht weichen will, liegen abgesehen von einem verregneten Sonntagmorgen sonnige Tage hinter der Reisegruppe, die am Wochenende vielfältige Aktivitäten  mit den Gastfamilien möglich machten. Ein kalter Westwind sorgte allerdings am Freitagabend dafür, dass alle am Ende des Football-Spiele ziemlich durchgefroren auf der Tribüne saßen und möglichst schnell an ein heißes Getränk kommen wollten. Immerhin gewann das Team der Ben Davis High School, unserer Partnerschule, das Spiel gegen die Carmel High School mit 27:14. Das motivierte aber nur den weiblichen Teil der Reisegruppe am Homecoming Dance, einer Schulparty am Tag nach dem letzten Heimspiel vor den Herbstferien, teilzunehmen. Überhaupt legt der männliche Teil der Reisegruppe eine Zurückhaltung an den Tag, die ihm für die zweite Reisewoche Jobs als Assistant Teacher der beiden Deutsch-Lehrer der Ben Davis High School, Kristen Dawn und Wes Ziliak eingebracht hat. Die US-Schülerinnen und Schüler müssen derweil die letzten Tests vor den Herbstferien bestreiten, oft reine Ankreuztest und in keiner Weise mit unseren Klausuren vergleichbar. Den Start der Ferien verbringen alle in ihren Gastfamilien, bevor es kommende Woche von Dienstag bis Donnerstag nach Chicago geht.

Bericht 2 - „Meet a German“ - Einblicke in den deutschen Alltag 

Ein aufregender Tag liegt hinter den zehn Schülerinnen und Schülern der Stufen EF und Q1 des Gymnasiums Letmathe, die seit dem vergangenen Samstag am dreiwöchigen Austausch mit der Ben Davis Highschool in Indianapolis (USA) teilnehmen. Zusammen mit Deutsch- und Sowi-Lehrer Dr. Markus Terbach gestalteten sie an der Partnerschule „Meet a German“, eine von der Fulbright-Stiftung initiierte Veranstaltung anlässlich des deutschen Nationalfeiertags. Am Ende besuchten über 150 Interessierte aus Schülerschaft und Lehrerkollegium der BDH zumindest einen der acht Vorträge der deutschen Gäste. Auf Wunsch von Kristen Dawn, Deutschlehrerin an der Ben Davis Highschool, deckten die Vorträge ein breites Spektrum ab. In der kommenden Woche werden noch Vorträge in einzelnen Kursen folgen. Dass das mal eben in englischer Sprache passierte, ohne Dolmetscher als Hilfe, beeindruckte US-Lehrer und Schüler sichtlich.

Dr. Markus Terbach sorgte für Erstaunen, als er davon berichtete, wie wenig von dem, was US-Bürger an Patriotismus zeigen, in Deutschland eine Rolle spielt. „Sie konnten gar nicht verstehen, dass es außer der zentralen Veranstaltung des Bundes, die in diesem Jahr in Kiel stattfand, keine Feierlichkeiten und Paraden gibt“, erläutert der Letmather Lehrer. Für Aha-Effekte und manches Erstaunen sorgten auch die Schülervorträge. Das galt u.a. für das Thema „Warum ist Walmart in Deutschland gescheitert?“ oder die Präsentation zur deutschen Sozialversicherung und der hohen Identifikation der Deutschen mit dem Sozialstaat. „Besonders schwer lag einigen Gästen der Vorträge aber im Magen, was ich zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen erläutert habe. Dass sie sich spätestens seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten in einer schweren Krise befinden, war nicht jedem klar, da über die Sichtweisen europäischer Politiker in den US-Medien kaum berichtet wird. Die Spaltung der US-Gesellschaft, nicht nur durch den Politikstil Trumps, lässt sich auch von uns hier Tag für Tag hautnah erleben.“

Am Ende des Tages kochte die Gruppe aus Deutschland für 30 Schülerinnen und Schüler aus den Deutsch-Kursen der Schule ein westfälisches Drei-Gänge-Menu: Möhreneintopf, Krüstchen und Quarkspeise mit Kirschkompott, Pumpernickel und Schokoladensplittern. „In diesen Tagen finden überall in den USA sehr klischeebeladene Oktoberfeste statt. Mit dem Menu sowie einem Film mir Talkrunde zur deutschen Küche wollten wir zeigen, wie viele leckere und einfach zu kochende Gerichte es jenseits von Sauerkraut und Würstchen gibt“, stellt Dr. Markus Terbach fest. „Ich denke, es war ein sehr gelungener Tag für unsere Schüler- und Lehrerschaft“, meint Deutsch-Lehrerin Kristen Dawn. „Die Diskussionen nach den Vorträgen werden bei uns in der Schule und in den Familien sicher noch fortgesetzt werden. Und manche werden die deutschen Gerichte auch nachkochen.“

Die zweite Austauschwoche wird für die Gruppe aus Letmathe etwas ruhiger verlaufen. Nach dem Aktionstag stehen am Wochenende noch das letzte Heimspiel der Football-Schulmannschaft und die Party anlässlich des Spiels an, bevor Zeit mit den Gastfamilien verbracht wird. „Den Montag werden wir in Downtown Indianapolis verbringen und auch von der Abgeordneten empfangen, die den Wahlkreis, in dem die Schule liegt, bei der Wahl zum Parlament des Bundesstaates Indiana gewonnen hat. In der dritten Woche steht abschließend eine dreitägige Fahrt nach Chicago an“, blickt der Fahrtleiter voraus. Am 20.Oktober wird die Gruppe wieder zurück in Letmathe sein.

Ein Vortrag sorgte dafür, dass bei US-Schülern das Interesse an einem unweit von Iserlohn erfolgreich spielenden Fußball-Bundesligisten geweckt wurde. Nach den Vorträgen diskutierten US-Schüler engagiert mit deutschen Schülern über ihren Alltag und ihre Lebenssituation.

Bericht 1 - Erste Eindrücke vor Ort 

„Welcome to Indianapolis“ hieß es am Samstagabend bei knapp 30 Grad Lufttemperatur und Sonnenschein, was übrigens noch bis Donnerstag anhalten wird, für zehn Schülerinnen und Schüler aus den Stufen Q1 und EF. Sie werden sich zusammen mit Deutsch- und Sowi-Lehrer Dr. Markus Terbach für drei Wochen in den USA aufhalten und den ersten Teil des Austauschprogramms mit unserer Partnerschule, der Ben Davis Highschool in der Hauptstadt des Bundestaates Indiana im Mittleren Westen der USA, absolvieren.

In den vergangenen Tagen stand erst einmal das Kennenlernen der Gastgeberinnen und Gastgeber sowie der Schule im Vordergrund. „Ab Dienstag folgen neben dem Besuch von Unterrichtsstunden diverse Ausflüge und Aktionen sowie zum Abschluss eine dreitägige Reise nach Chicago“, erläutert der Fahrtleiter, der das Programm zusammen mit seiner US-Kollegin Kristen Dawn ausgearbeitet hat. Am Tag nach der Ankunft und nach Schulschluss haben einige Gasteltern schon dafür gesorgt, dass der Besuch eines Spiels der NFL (Football) möglich war und das Shoppe in einer größeren Mall vor den Toren der Stadt.

Besonders aufgeregt ist die Gruppe mit Blick auf den 3.Oktober. „Meet a German“ heißt eine Aktion der Fulbright-Stiftung, die am deutschen Nationalfeiertag an vielen Schulen und Einrichtungen in den Vereinigten Staaten durchgeführt wird. Hierbei sollen Deutsche Einblicke in ihren Alltag sowie die Beziehungen zu den USA geben. 180 Interessierte haben sich angemeldet und werden zwischen drei wissenschaftlichen Vorträgen von Dr. Terbach und fünf Vorträgen der Schülerinnen und Schüler wählen können. Am Abend werden dann 40 Schülerinnen und Schüler, die an der BDH Deutsch-Unterricht haben, mit eine westfälischen Drei-Gänge-Menu verwöhnt. Es ist kein Problem, denn mit etwas Geschick lassen sich auch alle Zutaten in Indianapolis organisieren.